Die letzten 2 Jahre haben unsere Gewohnheiten in allen Lebensbereichen verändert. Wir kommunizieren anders, arbeiten, verabreden und begegnen uns anders, kaufen anders ein und erleben Kultur anders. Vieles hat sich ins Digitale verlagert: Vom Sofa aus treffen wir Freund*innen und Kolleg*innen, lesen, lernen, spielen - mittlerweile sehen wir auch die meisten Filme in den heimischen 4 Wänden. Das An
gebot im Netz ist vielfältig wie nie: Streamingdienste bieten Spielfilme, Serien und Dokus für jeden Geschmack, Mediatheken bersten vor kreativen Angeboten, kaum ein klassischer Fernsehsender, der noch kein zusätzliches Online-Portal anbietet. Im Programmkinobereich schien diese Entwicklung lange keine Spuren zu hinterlassen – schließlich kommen eingefleischte Kinofans nicht nur wegen des Films, oder? Die familiäre Atmosphäre, ein Wein an der Bar, das sorgfältig zusammengestellte Programm, Gespräche vor und nach dem Film, all das machte und macht Programmkinos wie das CamilloKino zu dem, was sie sind: Eine Gemeinschaftsort von und für Menschen, die Kino lieben. Doch auch in den Programmkinos ist zu spüren: Etwas hat sich verändert. Die Gemeinschaft ist noch da, die Liebe zum Film ist ungebrochen. Und dennoch gibt es neue Ansprüche an das Wie und Wann des Filmgenusses. Klar, der Kinosaal ist und bleibt das Zentrum des Camillo-Gefühls. Aber warum dieses Gefühl nicht auch mit nach Hause nehmen? Kinoliebe fürs Sofa oder: Canapa bei den Cinemalovers! Begriffe, die Fragen aufwerfen. Wir haben die Antworten! Cinemalovers ist eine VoD-Plattform, die speziell für Programmkinos entwickelt wurde und ihnen ermöglicht, ihr Vor-Ort-Programm zu ergänzen und den Zuschauer*innen einen Mehrwert zu bieten. Es entsteht sozusagen ein zusätzlicher Kinosaal im digitalen Raum, der rund um die Uhr bespielbar und für das Publikum zugänglich ist. Zu finden sind dort – ganz wie im realen Kino auch – sorgfältig kuratierte Programmfilme aus dem übergroßen Angebot der Neustarts. So heißt der neue digitale Kinosaal im Camillo Kino. Canapa steht für solidarisches Programmkino auf dem Sofa – im Dreiländereck und darüber hinaus! Denn digitale Kinosäle sind im Osten bisher kaum zu finden: In Sachsen ist Canapa bislang der einzige. Das Camillo-Team erhofft sich von der Erweiterung ins Digitale eine Möglichkeit, das eigene Profil weiter zu schärfen und das Programm um besondere Filme zu ergänzen – egal, wann und wo sie abgerufen werden. So können sowohl Stammgäste als auch Menschen auf der Suche nach dem guten Film im Netz sich jederzeit mit dem Camillo solidarisieren und den digitalen Kinosaal Canapa besuchen. Wer steckt hinter Canapa und dem CamilloKino? Wir, der Filmclub von der Rolle ´94 e.V., sehen uns als soziokultureller Verein und sind neben dem Betrieb des Programmkinos CamilloKino in Görlitz und einem mobilen Kino für den ländlichen Raum in Ostsachsen seit vielen Jahren auch Träger und Initiator intersektionaler Antidiskriminierungs- und Sensibilisierungsprojekte in Görlitz, die überregionale Bekanntheit erlangt haben. 2019 wurde die Arbeit des Vereins im intersektionalen Tätigkeitsfeld mit dem sächsischen Förderpreis für Demokratie ausgezeichnet. Filme sind für uns dabei eine Möglichkeit, für aktuelle gesellschaftliche Fragen zu sensibilisieren und mit den so erlebbaren Innen- und Außenperspektiven die Empathiebildung zu stärken. Braucht es Canapa denn wirklich? Wir leben in einer bewegenden Zeit und Gesellschaft, voller Umbrüche, Wandlungsprozesse, der großen Fragen und Polarisierung. Auch und gerade in unserer Gegend - Region Ostsachsen - erleben wir im Miteinander einen Anstieg an verhärteten gegensätzlichen Haltungen zu gesellschaftlichen Themen unserer Zeit. Seit Jahren greift das Camillo-Team in Filmreihen und Veranstaltungen verschiedenste gesellschaftliche Fragestellungen auf. Ziel ist es, eine Verbindung zwischen den Themen und der Lebenswirklichkeit vor allem der jungen Menschen in unserer Region herzustellen. Allerdings stellen wir immer wieder fest, dass wir mit konventionellen Kinoangeboten kaum Aufmerksamkeit in der Altersgruppe zwischen 16 und 23 Jahren erzeugen können. Canapa soll hier einen Ansatzpunkt bieten, einen gesellschaftlichen Dialog zu provozieren, der auch die Jugend erreicht. An den Formaten, mit denen das erreicht werden soll, wird im Team derzeit intensiv gearbeitet. Die Plattform sehen wir als weiteren Baustein unserer soziokulturellen und medienpädagogischen Arbeit. Den Schritt ins Digitale geht das Camillo-Team voller Neugier und in Vorfreude auf die neuen Möglichkeiten, die sich für daraus ergeben. Canapa ist für das Camillo Kino die Chance, sein Versprechen – gutes Kino mit Haltung – barrierefrei einzulösen und im digitalen Raum zu vertiefen. Wir freuen uns auf die Erweiterung unseres Angebots und unserer Reichweite und sind gespannt, wie Canapa angenommen wird.