Mindestens 1x im Monat, Freitagabends, im Metropolis Kino Hamburg – häufig Zelluloid, mit Einführung. Nostalgie ist nicht wählerisch. Alles kann ihr Objekt werden: ein Geruch, eine Schnulze, ein Gebäck. Oder auch der Sound von brechenden Knochen und feuerspeienden Riesenechsen. Zumindest dann, wenn man in den 1970ern aufwuchs, jener letzten goldenen Kinodekade, bevor die Videotechnologie Filmgenus
s zunehmend zu einer Privatangelegenheit machte. Damals hockte man in den dunklen Höhlen von Kleinstadt-, Vorort- oder Bahnhofskinos und genoss Bilder, deren Lust an Sex, Gewalt und purem Entertainment heute von den Leinwänden verschwunden ist. Italowestern, Porno-, Zombie- und Söldnerfilme handelten nicht vom Guten im Menschen, sondern von Körpern, die aus jeder sozialen Ordnung herausgefallen waren. Und genau diese Körper waren auch die Adressaten dieser Werke. Nicht rationale Analyse sollten sie bewirken, sondern somatische Schocks, die lange nachwirken. Brüche, Lücken, Schnitte zeichnen nicht nur viele Kopien aus, die bei Bizarre Cinema laufen, sie sind auch ein wesentliches Kennzeichen der Filme selbst, anatomisch, erzählerisch, formal, produktionstechnisch. Zum Spaß an diesen Werken gehört außerdem ein kommunaler Aspekt, das gemeinsame Erlebnis, das vielstimmige Jauchzen, wenn ein weiterer Kopf unsauber vom Rumpf getrennt wird. Dieses kollektive Haarsträuben bis in die letzte Reihe hat mit spektakulären Effekten zu tun, mit dem gemeinschaftlichen Schauen im Kino, aber auch mit dem Wissen darum, dass nicht nur der Film von improvisierenden Händen geschaffen ist, sondern auch seine Projektion. Bei uns müssen Vorführer:innen noch richtig malochen! Bizarre Cinema – mindestens 1x im Monat, Freitagabends, häufig Zelluloid, garantiert mit Einführung. Newsletter: [email protected]