03/05/2026
Warum fällt der Wegfall der Altstadtkinos stärker ins Gewicht, als man zunächst denkt?
Programmkino erfüllt eine andere Funktion als große Kinobetriebe.
Es zeigt Filme außerhalb des Mainstreams – Inhalte, die sonst oft keinen Platz mehr haben.
Fällt so ein Standort weg, verschwindet dieses Angebot in der Regel, statt sich zu verlagern.
Auch das Publikum ist ein anderes.
Untersuchungen zur Kinonutzung zeigen: Besucher kleiner Häuser weichen seltener aus. Ein Teil bleibt dann einfach weg.
Dazu kommt der Standort.
Innenstadtkinos sorgen für Frequenz am Abend. Sie halten Wege kurz, bringen Leben in die Altstadt.
Wenn das wegfällt, passiert das leise – aber es wirkt nach.
Ein oft übersehener Punkt: die Arbeit mit Schulen und Gruppen.
Viele erste Kinobesuche passieren genau hier.
Schulvorstellungen, Projekttage, Ferienprogramme, Gruppen aus sozialen Einrichtungen, Ferienkino.
Für viele ist das der erste bewusste Kontakt mit Film.
Und manchmal geht es weiter: direkter Austausch mit Filmschaffenden.
Gespräche nach dem Film, Regisseurbesuche – etwa wie zuletzt mit Regisseur Norbert Lechner "Das geheime Stockwerk"
Solche Begegnungen holen Film aus der Ferne in den Alltag.
Das hat auch mit Zukunft zu tun.
Medienkompetenz entsteht nicht nur am Bildschirm.
Man muss Inhalte einordnen, verstehen, diskutieren.
Genau dafür sind solche Orte gemacht.
Und schließlich: die wirtschaftliche Seite.
Ein Kino ist kein isolierter Betrieb.
Es zieht Besucher in die Stadt – auch für Gastronomie, Bars, Einzelhandel.
Es arbeitet mit lokalen Lieferanten, Handwerkern, Dienstleistern.
Viele kleine Verbindungen, die im Alltag kaum auffallen.
Fällt das weg, fehlt nicht nur ein Angebot, sondern ein Stück wirtschaftliche Struktur.
Deshalb geht es nicht nur um ein Kino.
Sondern um kulturelle Vielfalt, Bildung, Stadtleben – und um das, was im Hintergrund mitläuft.
Ingolstadt braucht seine Altstadtkinos
Wolfgang Schick
Altstadtkinos Ingolstadt