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FilmFörde Die Reihe FilmFörde zeigt im KulturForum der Stadtgalerie Kiel Filmkunst, die oft im Rauschen des M

16/09/2026
16/09/2026

Kritik an einem Film ist das gute Recht jedes Betrachters. Wenn Kritik jedoch in staatliche Einflussnahme umschlägt und Filmemachern mit dem Entzug ihrer Staatsbürgerschaft gedroht wird, ist eine rote Linie überschritten. Kunstfreiheit endet nicht dort, wo sie unbequem wird.

Film bei FilmFörde   #90 am Mi., 10.06.2026, 19 Uhr im KulturForum der Stadtgalerie Kiel
06/06/2026

Film bei FilmFörde #90 am Mi., 10.06.2026, 19 Uhr im KulturForum der Stadtgalerie Kiel

Die Kamera als erzählende Instanz
"Holler for Service“ (Ole Elfenkämper & Kathrin Seward, D/USA 2025, 78 Min.)

Der Dokumentarfilm „Holler for Service“ von Ole Elfenkämper und Kathrin Seward porträtiert eine Frau in ihrem kleinen Hardware Store (Baumarkt), der sich im Laufe des Films als regsamer Begegnungs- und Kommunikationsort bzw. als die zentrale Lebensader seiner ländlichen Umgebung entpuppt.

Schauplatz des Geschehens ist ein eher kleiner Geschäftsraum mit seinem Lager in einem kleinen Nest, irgendwo im Nirgendwo der Provinz der amerikanischen Südstaaten. Die robuste und menschenfreundliche Geschätsführerin und zugleich einzige Angestellte ist Kellie, die ihrem Beruf mit Leidenschaft nachgeht.

Sie ist mit allen Talenten ausgerüstet, die es braucht, um in dieser ländlich gestimmten Gegend zurechtzukommen; so zum Beispiel: Freundlichkeit, Geduld und Humor. Als Heimgekehrte von Tennessee, aus dem Yankee-Country, wie ihr Vater trocken und völlig unironisch mit leichtem Südstaatendünkel zu bemerken weiß, hat sie es verstanden, sich über Jahre hinweg zu assimilieren und zu lernen, wie die Leute „ticken“.

So pflegt sie einen entspannten, aber verbindlichen und herzlichen Umgang nicht nur mit ihrer Kundschaft. In der vermeintlich von Männern bestimmten Hand- und Heimwerker-Domäne gelingt es ihr, durch Offenheit und Selbstvertrauen das rollenfixierte Sozialverhalten ihrer männlichen Kunden mit Kompetenz zu unterlaufen und sich damit durchzusetzen. Sie wird akzeptiert, ist für die Leute eine von ihnen geworden.

Ob ratsuchende Käufer, gelangweilte Jugendliche oder agile Rentner – allen weiß Kellie zugewandt und aufgeschlossen zu begegnen. Was nicht bedeutet, dass sie nicht auch streng und konsequent agieren kann, wenn es sein muss. Schon in der Eingangsszene plagt sie sich am Telefon mit einem säumigen Lieferanten herum, der den bestellten Mais nicht zum verabbredendeten Termin bringen kann. Kellie kündigt ihm schließlich das Ende der Geschäftsbeziehungen an.

Aus Einzelbeobachtungen wie der gerade geschilderten, aus Szenen aus dem nicht unbedingt vielfältigen Arbeitsalltag im Store und den persönlichen Einlassungen Kellies speist sich der Film. Er schildert den Alltag in ruhigen Bildern und belegt Kellies positive Einstellung und Freude an der Arbeit.

Die Kameraarbeit ist dabei bemerkenswert, weil sie zu einer besonders eigenständig erzählenden Instanz wird. Oft verharrt sie im einmal gewählten Bildausschnitt so lange, bis das Wesentliche im Bild auserzählt scheint. Ein Beispiel: Kellie geht vom auf dem Hof stehenden Gabelstapler ins Lager. Die Kamera bleibt draußen in der vorher gewählten Totale. Man hat Zeit, sich ins Gezeigte einzusehen.

Geduldig wird mit festen Einstellungen das relativ schwere, monotone Umstapeln von Düngersäcken verfolgt, Schwenks kommen nicht vor, geschweige denn Zooms. Das stille Verweilen hat Methode. Man sieht in einer offenen Tür, die den begrenzten Blick auf eine Straße mit Stopp-Schild freigibt, eine Katze ruhen. Bisweilen fährt ein Auto vorbei. Kellie wässert die Pflanzen vor ihrem Laden. Lange, schwere durchfahrende Tieflader, mit großen Baumstämmen beladen, durchschneiden das Bild und verwehren den Blick auf Kellie.

Das Bild nimmt sich seine Zeit, meditiert geradezu Gleichmut. Selbst bei den einfachsten Motiven bewahrt die Kamera einen ruhigen Blick, der in unserer vom Internet und Werbung bestimmten Hastigkeit fast provozierend lange während daherkommt, und schafft so Atmosphäre.

Der Film erzählt so mit einer Gelassenheit das alltägliche Geschehen, die der Gelassenheit seiner Protagonistin in ihrem Arbeitsalltag entspricht. Gleichzeitig wird dadurch deutlich, dass der Film oft, wie geschildert, auf seinen gewählten Kamerapositionen verharrt und den Personen und ihrem Tun nicht hinterherhechelt, eine Diskretion gegenüber dem Geschehen bewahrt, die der respektvollen Haltung der Filmemacher*innen gegenüber ihrer porträtierten Person entspricht und zugleich das Subjektive im Erzählten unterstreicht. (Helmut Schulzeck)

Holler for Service“, Deutschland/USA 2025, 78 Min., DCP, 1,66:1, Farbe, Stereo; Regie: Kathrin Seward, Ole Elfenkämper; Buch: Kathrin Seward, Ole Elfenkämper; Kamera: Ole Elfenkämper; Schnitt: Ole Elfenkämper; Dramaturgie: Nic Guttridge; Sound Design: Alfred Tesler; Ton: Kathrin Seward; Farbkorrektur: Ole Elfenkämper; Produzent*innen: Kathrin Seward, Ole Elfenkämper; Executive Producer: Rita Ellis, Miles Ellis; Produktion: Walnut + Schultz Productions

Die Kamera als erzählende Instanz"Holler for Service“ (Ole Elfenkämper & Kathrin Seward, D/USA 2025, 78 Min.)Der Dokumen...
04/06/2026

Die Kamera als erzählende Instanz
"Holler for Service“ (Ole Elfenkämper & Kathrin Seward, D/USA 2025, 78 Min.)

Der Dokumentarfilm „Holler for Service“ von Ole Elfenkämper und Kathrin Seward porträtiert eine Frau in ihrem kleinen Hardware Store (Baumarkt), der sich im Laufe des Films als regsamer Begegnungs- und Kommunikationsort bzw. als die zentrale Lebensader seiner ländlichen Umgebung entpuppt.

Schauplatz des Geschehens ist ein eher kleiner Geschäftsraum mit seinem Lager in einem kleinen Nest, irgendwo im Nirgendwo der Provinz der amerikanischen Südstaaten. Die robuste und menschenfreundliche Geschätsführerin und zugleich einzige Angestellte ist Kellie, die ihrem Beruf mit Leidenschaft nachgeht.

Sie ist mit allen Talenten ausgerüstet, die es braucht, um in dieser ländlich gestimmten Gegend zurechtzukommen; so zum Beispiel: Freundlichkeit, Geduld und Humor. Als Heimgekehrte von Tennessee, aus dem Yankee-Country, wie ihr Vater trocken und völlig unironisch mit leichtem Südstaatendünkel zu bemerken weiß, hat sie es verstanden, sich über Jahre hinweg zu assimilieren und zu lernen, wie die Leute „ticken“.

So pflegt sie einen entspannten, aber verbindlichen und herzlichen Umgang nicht nur mit ihrer Kundschaft. In der vermeintlich von Männern bestimmten Hand- und Heimwerker-Domäne gelingt es ihr, durch Offenheit und Selbstvertrauen das rollenfixierte Sozialverhalten ihrer männlichen Kunden mit Kompetenz zu unterlaufen und sich damit durchzusetzen. Sie wird akzeptiert, ist für die Leute eine von ihnen geworden.

Ob ratsuchende Käufer, gelangweilte Jugendliche oder agile Rentner – allen weiß Kellie zugewandt und aufgeschlossen zu begegnen. Was nicht bedeutet, dass sie nicht auch streng und konsequent agieren kann, wenn es sein muss. Schon in der Eingangsszene plagt sie sich am Telefon mit einem säumigen Lieferanten herum, der den bestellten Mais nicht zum verabbredendeten Termin bringen kann. Kellie kündigt ihm schließlich das Ende der Geschäftsbeziehungen an.

Aus Einzelbeobachtungen wie der gerade geschilderten, aus Szenen aus dem nicht unbedingt vielfältigen Arbeitsalltag im Store und den persönlichen Einlassungen Kellies speist sich der Film. Er schildert den Alltag in ruhigen Bildern und belegt Kellies positive Einstellung und Freude an der Arbeit.

Die Kameraarbeit ist dabei bemerkenswert, weil sie zu einer besonders eigenständig erzählenden Instanz wird. Oft verharrt sie im einmal gewählten Bildausschnitt so lange, bis das Wesentliche im Bild auserzählt scheint. Ein Beispiel: Kellie geht vom auf dem Hof stehenden Gabelstapler ins Lager. Die Kamera bleibt draußen in der vorher gewählten Totale. Man hat Zeit, sich ins Gezeigte einzusehen.

Geduldig wird mit festen Einstellungen das relativ schwere, monotone Umstapeln von Düngersäcken verfolgt, Schwenks kommen nicht vor, geschweige denn Zooms. Das stille Verweilen hat Methode. Man sieht in einer offenen Tür, die den begrenzten Blick auf eine Straße mit Stopp-Schild freigibt, eine Katze ruhen. Bisweilen fährt ein Auto vorbei. Kellie wässert die Pflanzen vor ihrem Laden. Lange, schwere durchfahrende Tieflader, mit großen Baumstämmen beladen, durchschneiden das Bild und verwehren den Blick auf Kellie.

Das Bild nimmt sich seine Zeit, meditiert geradezu Gleichmut. Selbst bei den einfachsten Motiven bewahrt die Kamera einen ruhigen Blick, der in unserer vom Internet und Werbung bestimmten Hastigkeit fast provozierend lange während daherkommt, und schafft so Atmosphäre.

Der Film erzählt so mit einer Gelassenheit das alltägliche Geschehen, die der Gelassenheit seiner Protagonistin in ihrem Arbeitsalltag entspricht. Gleichzeitig wird dadurch deutlich, dass der Film oft, wie geschildert, auf seinen gewählten Kamerapositionen verharrt und den Personen und ihrem Tun nicht hinterherhechelt, eine Diskretion gegenüber dem Geschehen bewahrt, die der respektvollen Haltung der Filmemacher*innen gegenüber ihrer porträtierten Person entspricht und zugleich das Subjektive im Erzählten unterstreicht. (Helmut Schulzeck)

Holler for Service“, Deutschland/USA 2025, 78 Min., DCP, 1,66:1, Farbe, Stereo; Regie: Kathrin Seward, Ole Elfenkämper; Buch: Kathrin Seward, Ole Elfenkämper; Kamera: Ole Elfenkämper; Schnitt: Ole Elfenkämper; Dramaturgie: Nic Guttridge; Sound Design: Alfred Tesler; Ton: Kathrin Seward; Farbkorrektur: Ole Elfenkämper; Produzent*innen: Kathrin Seward, Ole Elfenkämper; Executive Producer: Rita Ellis, Miles Ellis; Produktion: Walnut + Schultz Productions

FilmFörde  #90 zeigt: „Holler for Service“Mi., 10. Juni 2026, 19 Uhr, KulturForum in der Stadtgalerie Kiel (Andreas-Gayk...
04/06/2026

FilmFörde #90 zeigt: „Holler for Service“
Mi., 10. Juni 2026, 19 Uhr, KulturForum in der Stadtgalerie Kiel (Andreas-Gayk-Str. 31)

(D, USA 2025, 77 Min., Dokumentarfilm von Ole Elfenkämper und Kathrin Seward)

Ein Eisenwarenladen in einem Kaff in Georgia als Ankerpunkt menschlicher Begegnungen: In „Holler for Service“ wird das Geschäft zum Schauplatz eines leisen gesellschaftlichen Porträts. Im Zentrum steht Kellie – scharfzüngig, unkonventionell und die gute Seele, die alles zusammenhält. Sie bietet Jugendlichen Arbeit und Tieren ein Zuhause, während sie selbst dezent außerhalb der starren Erwartungen ihrer Umwelt agiert.

„Holler for Service“ fängt diesen Mikrokosmos in ruhigen, beobachtenden Bildern ein. In der Tradition der klassischen Mise-en-Scène konzentriert sich der Film fast ausschließlich auf den Laden und sein direktes Umfeld. Zwischen praktischen Erledigungen und absurden Alltagsdialogen offenbart sich eine stille, radikale Form der Fürsorge, die eine Gemeinschaft im Innersten zusammenhält.

Helmut Schulzeck schreibt unter der Überschrift „Die Kamera als erzählende Instanz“ in einer Filmkritik auf infomedia.sh:

„Die Kameraarbeit ist […] bemerkenswert, weil sie zu einer besonders erzählenden Instanz wird. Oft verharrt sie im einmal gewählten Bildausschnitt so lange, bis das Wesentliche im Bild auserzählt scheint. Ein Beispiel: Kellie geht vom auf dem Hof stehenden Gabelstapler ins Lager. Die Kamera bleibt draußen in der vorher gewählten Totale. Man hat Zeit, sich ins Gezeigte ,einzusehen’. […] Das Bild nimmt sich seine Zeit, meditiert geradezu Gleichmut. Selbst bei den einfachsten Motiven bewahrt die Kamera einen ruhigen Blick, der in unserer vom Internet und Werbung bestimmten Hastigkeit fast provozierend lange während daherkommt, und schafft so Atmosphäre. […] Gleichzeitig wird dadurch deutlich, dass der Film oft, wie geschildert, auf seinen gewählten Kamerapositionen verharrt und den Personen und ihrem Tun nicht hinterher hechelt, eine Diskretion gegenüber dem Geschehen bewahrt, die der respektvollen Haltung der Filmemacher gegenüber ihrer Protagonistin entspricht und zugleich das Subjektive im Erzählten unterstreicht.“

Ole Elfenkämper ist voraussichtlich zu Gespräch und Diskussion mit dem Publikum anwesend.

Mi, 10. Juni 2026, 19 Uhr, KulturForum in der Stadtgalerie Kiel
Eintritt: 5 € (erm. 3 €)

Fotos: Filmstills aus „Holler for Service“ © Walnut+Schultz Prodcutions

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