16/10/2026
Einladung zu zwei Gastvorträgen an der Uni Leipzig: Demokratie unter Druck - Politische Bildung in der Grundschule
Gerade die aktuellen Auseinandersetzungen um Erinnerungskultur zeigen, dass die Frage, wie und woran gesellschaftlich erinnert wird, keineswegs nur die Vergangenheit betrifft, sondern immer auch gegenwärtige gesellschaftliche Deutungen und demokratische Aushandlungsprozesse berührt. Gesellschaftliche Spannungen, Diskriminierung und demokratiefeindliche Orientierungen zeigen sich im schulischen Alltag und stellen Schulen wie Lehrer*innenbildung vor neue Herausforderungen. Damit rückt auch die Frage in den Mittelpunkt, wie Schulen und angehende Lehrkräfte darin unterstützt werden können, gesellschaftliche Entwicklungen frühzeitig wahrzunehmen, einzuordnen und professionell zu bearbeiten. Einen konkreten Einblick in die Situation an sächsischen Grundschulen geben die Ergebnisse unserer Erhebung in Kooperation mit dem Arbeitsbereich Sachunterricht Sozialwissenschaften. Die Befunde weisen darauf hin, dass Diskriminierung, menschenfeindliche Äußerungen und demokratiefeindliche Orientierungen im schulischen Alltag möglicherweise häufiger wahrgenommen werden, als sie in offiziellen Erfassungen sichtbar werden. Damit ergeben sich Hinweise auf ein Dunkelfeld von Vorfällen, zugleich werden deutliche Unterstützungsbedarfe und Fragen nach geeigneten Handlungsmöglichkeiten sichtbar. Gerade für die Grundschule stellt sich dabei die Frage, wie Lehrkräfte professionalisiert werden können, um solche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, fachlich einzuordnen und pädagogisch angemessen zu bearbeiten.
Vor diesem Hintergrund möchten wir herzlich zu zwei Gastvorträgen einladen. Die Veranstaltungen verbinden aktuelle Forschung, historisch-politische Bildung und Erfahrungen aus unserer Zusammenarbeit mit dem Arbeitsbereich und dem Landesamt für Schule und Bildung. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl aktuelle Herausforderungen als auch die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse gemeinsam mit Praxispartner*innen in konkrete Angebote für die Grundschule überführt werden können.
Vortrag 1: 22.10.2026, 17 – 19 Uhr in Hörsaal 015 (Haus 5) der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät // Politische Dimension von Erinnerungskultur in Deutschland
Der Vortrag dient dazu, den Teilnehmenden ein authentisches Bild von Erinnerungskultur zu vermitteln und geht der Frage nach, welche Bedeutung die Erinnerungskultur für die Identitätsbildung einer Nation hat und wie die Mehrheitsbevölkerung zur Erinnerungskultur als Prävention von menschenfeindlichen Einstellungen steht. Das Untersuchen von Parallelen zwischen der Vergangenheit und Gegenwart verdeutlichen dabei die Aktualität und Notwendigkeit dieses Diskurses. Unter Einbeziehung aktueller Studien wird ein Fokus auf Sachsen und durch ein neues Projekt des Erich-Zeigner-Haus e.V. auch ein Ausblick auf die erinnerungskulturelle sowie politische Bildungsarbeit in der Grundschule gelegt, der dann in der Folgeveranstaltung zentral behandelt wird.
Vortrag 2: 29.10.2026, 17 – 19 Uhr in Hörsaal 015 (Haus 5) der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät // Demokratie unter Druck – welche Rolle spielt die Grundschule?
Forschungsergebnisse, Praxisprojekte und Perspektiven politischer Bildung im Primarbereich
Im Gastvortrag werden zentrale Ergebnisse einer aktuellen Befragung von Lehrkräften und Schulsozialarbeiter*innen an sächsischen Grundschulen vorgestellt und mit Erfahrungen in Beziehung gesetzt. Im Fokus stehen die Projekte „BÄR – Bildung stärkt Demokratie“ und die Bildungs- und Beratungsstelle HAND für Grundschulen. Die Befunde eröffnen Einblicke in Wahrnehmungen, Herausforderungen und Handlungsspielräume schulischer Praxis und werden mit Fragen der Demokratiebildung, Partizipation sowie Diskriminierungs- und Extremismusprävention verbunden.