21/07/2026
The Odyssey
Der von Filmfans lang ersehnte und von Pseudo-Internetpropheten vorab, zum Teil, fälschlicherweise kritisierte neue Film vom Ausnahmeregisseur Christopher Nolan ist endlich da.
Leider muss ich mit Folgendem einsteigen, da seit Monaten Falschinformationen, Ragebait, Vorabhass und Hetze immer wieder gerne aus der Manosphere, der rechten Bubble, von homophoben Spinnern, Möchtegern-Wahrsagern und Konsorten kommt...nein, Elliot Page spielt nicht Achilles! Insgesamt hat er nicht mehr als 3-4 Minuten Screentime und falls es einige vergessen haben, er ist gut. Die Szene im Hades ist sogar richtig stark, eine der mimisch stärksten in The Odyssey und das will etwas heißen.
Ja, Lupita Nyong'o spielt Helena, auch sie sieht man nicht länger als 3-4 Minuten. Ich denke jeder "Woke-Marktschreier" kann bei einer Laufzeit von 2 Stunden und 53 Minuten für insgesamt 6-8 Minuten die Augen zukneifen. Jedoch nur, wenn man bei einer blonden, deutschen Helena in Troya auch die Augen zugekniffen hat. Immerhin ist Helena in Sparta angesiedelt und nicht in Schweden. Es sollte bei cinephilen Personen/ Filmfans auch keine 2 Meinungen darüber geben, wer zwischen einer Lupita Nyong'o und Diane Kruger, die stärkere Schauspielerin ist. Zum Abschluss was diese Punkte anbelangt: Die meisten, die sich um genau diese beiden Besetzungen aufregen sind witzigerweise anteilig Griechen (Zu recht?), Amerikaner! Und Deutsche! Fast ausschließlich Männer! Verrückt, oder? Am Ende reden wir hier von griechischer Mythologie, dass ist in etwa so nah an Geschichte und wahren Ereignissen wie Der Herr der Ringe, das DC- oder das Marvel-Universum. Es sind fiktive Stoffe. Um vielleicht den einen oder anderen komplett zu verschrecken, Helena war nicht wirklich die Tochter von Zeus, weil es den Vogel genauso wenig gab wie Sauron oder Thanos.
Nun zum Wesentlichen. Ich muss gestehen, ich hatte meine Einstiegsprobleme was The Odyssey anbelangt. Die ersten 30 Minuten waren mir zu sehr "All over the place". Zu viel hin- und her Gespringe was Zeiten und Orte anbelangt, zu langatmig. Das Pacing war sehr holprig und leider gab es auch zu viel Tom Holland. Grundsätzlich ein sympathischer junger Mann, der früher siehe The Impossible oder Cherry auch stark aufspielen konnte. Mittlerweile, finde ich, ist zu viel Peter Parker in seinem Gesicht und irgendwie reift er bisher nicht weiter. Ehrlich gesagt, hat er mich mit seiner blassen Performance und mit seiner Figur zu sehr an Orlando Bloom in Troya erinnert. Auch Bloom wirkte fehlbesetzt in Troya, leider ist es meiner Meinung nach Holland in The Odyssey auch.
Nach +- 30 Minuten findet Nolan endlich zu seiner Hauptfigur und dadurch nimmt der Film endlich Fahrt auf. Odysseus Abenteuer und "Backstory" werden dem Zuschauer nach und nach präsentiert.
Ich werde natürlich versuchen nicht zu spoilern aber irgendwie denke ich, der "gemeine" Filmfan kennt die Geschichte und den Ausgang durch andere Werke und Menschen mit Hang zur Literatur kennen Homers Odyssee.
Während Nolan nach und nach mehr auf Odysseus und seine Reise eingeht, merkt man förmlich, wie sehr der Regisseur endlich einen Horrorfilm drehen möchte. Besonders in den Szenen mit Kirke (stark von Samantha Morton gespielt) und dem Polyphem sind einige Horrorfilmelemente zu sehen und die praktischen Effekte sind 1 A.
Es gibt einige starke Bilder im Verlauf des Werkes. Leider ist der Score nicht so auffällig, wie ich es mir gewünscht hätte, bis auf das Finale, welches in Aktion, Sound und Score richtig den Puls vorantreibt und für mich das Highlight in The Odyssey darstellt.
Mimisch sind Anne Hathaway und Samantha Morton am stärksten einzuordnen. Matt Damon ist grundsolide und John Leguizamo auch.
Als verschenkt sehe ich Mia Goth, Jon Bernthal, Zendaya, Logan Marshall-Green und Charlize Theron an, da man mit ihren Figuren wenig bis gar nichts gravierendes macht und/oder die genannten nichts besonderes mit ihren Figuren machen.
Tom Holland, Himesh Patel und auch Robert Pattinson sind meiner Meinung nach klassische Fehlbesetzungen. Tatsächlich hat mich Robert Pattinson sogar am meisten gestört, weil seine Figur wieder mal so un/gewollt drüber wirkt. Gewollt "böse", aber ohne doppelten Boden, dadurch wirkt es unglaubwürdig und irgendwie, wie oft bei Pattinson wenn er "böse" agieren möchte, bis hin zum lächerlichen. Bei Pattinson wabert nichts zwischen den Zeilen. Mich erreicht er mit seinem künstlichen Spiel einfach nicht.
The Odyssey ist sicherlich nicht Nolans bester Film, aber auch nicht sein "schlechtester". Grundsätzlich macht Nolan keine schlechten Filme, selbst seine schwächeren Werke wie Tenet haben Schauwerte. Leider muss man Nolan hier vorwerfen, selten den Zuschauer durch eine bewegende Geschichte zu erreichen. Er hat oft eine distanzierte Kühlheit in seinen letzten Filmen und hier geht es leider nahtlos weiter. Ein Stoff wie The Odyssey bietet sich eigentlich an für mehr Drama und einen epischen Score, leider gibt uns der Regisseur davon wenig in diesem Film. Seit Interstellar kann er kaum mit Emotionen punkten.
Meine two Cents zum ewigen "Woke-Geschreie" aus bestimmten Kreisen. Tatsächlich hatte ich von 2019 bis knapp 2022 auch enorme Schwierigkeiten mit Race- oder Gender-Swapping. Besonders als es durch Disney/Netflix enorm "In your face" umgesetzt wurde. Zwar war ich (und bin es immernoch) im echten Leben immer pro alles, aber in Filmproduktionen ging es mir auf den Senkel, weil es mir zu gewollt und erzwungen wirkte und nicht story- oder figurengetreu. Mit der Zeit hat sich das bei mir verändert, da ich mittlerweile aus der Perspektive draufblicke, dass Hollywood bis Jahr X alles mit Weißen besetzt hat, ob es Äygpter, Asiaten oder Mexikaner waren, sie wurden von Weißen dargestellt. Bis dahin wurde sich wenig bis gar nicht aufgeregt, merkwürdig, oder? Eigentlich ist es sehr einseitig die knappen 100 Jahre Filmgeschichte, in der Weiße alles spielten, gegenüber knappen 10 Jahren, in denen es eine Art von Wiedergutmachung und gerechten Ausgleich gibt, zu kritisieren, oder? Oder?
So oder so, meine Sicht hat sich da drastisch verändert und wie Rocky es so schön in Rocky 4 sagte "If I can change and you can change, everybody can Change".
Aus der Perspektive geblickt, The Odyssey ist starkes Kino, das genau dafür gemacht wurde, für das Kino. Nolan ist wahrscheinlich neben Villeneuve einer der wenigen Filmemacher die fast nie enttäuschen. Selbst sein für mich schwächster Film (Tenet), der mich nicht erreicht hat ist auf diversen Ebenen trotzdem grundsolide.
The Odyssey bricht zur Zeit alle Nolan-Rekorde an der Boxoffice, hat aktuell eine 95/97 auf Rotten und eine 8,4 auf IMDb. Spricht für sich, oder? Page und N'yongo scheinen den allgemeinen Filmfan nicht zu sehr gestört zu haben, oder ? Vielleicht solltest du auch Mal deine Vorbehalte hinterfragen. Für mich ist The Odyssey ein guter Film, leider mit vielen Schwächen, der mich in den knappen 3 Stunden fast nie berührt hat und hier ist meiner Meinung nach die größte Schwäche des Werkes. In den großen Vorbildern wie Lawrence von Arabien, Braveheart, Gladiator gibt es alle 10-20 Minuten auch große Gefühle die vermittelt werden und den Zuschauer bewegen. In The Odyssey hat mich persönlich nur die Szene mit dem Hund berührt, aus Gründen. Grundsätzlich finde ich den Film mindestens um eine Stunde zu lang. Wenn man fast alles unnötige um Tom Holland und Robert Pattinson schneiden würde, dann könnte man The Odyssey locker um 45 Minuten kürzen und das täte dem Werk richtig gut.
Nichtsdestotrotz ein guter Film, mit einigen Schwächen. Leider nicht das Meistwerk, das ich erhofft hatte, wird aber mit hoher Wahrscheinlichkeit in meiner Top 10 des Jahres landen. Nun ab ins Kino, anschauen und eine eigene Meinung bilden und nicht vorab die Meinung von anderen blind übernehmen.
Wie kam The Odyssey bei euch an?
Marc Engel